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01/2018

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08.11.2009 - "Nicht alles ist zu retten" Interview mit OB Michael Wolf zum Areal am Markt

Pressemitteilung der OVZ vom 08.11.2009 

OB Michael Wolf plädiert weiter für das SWG-Projekt


Altenburg. Das Haus Bei der Brüder­kirche 9 abreißen oder nicht? Das ge­samte Areal am Markt nach einem Konzept der Städtischen Wohnungs­gesellschaft bebauen oder doch einen Architektenwettbewerb ausschrei­ben? Diese Fragen bewegen zuneh­mend die Gemüter der Altenburger, nachdem sich viele Wochen und Mona­te „nur“ Stadtverwaltung, SWG und Stadtrat darüber die Köpfe zerbra­chen. OVZ sprach mit Oberbürger­meister Michael Wolf (SPD) über das umstrittene Projekt.


OVZ: Der Stadtrat verweigerte Ihnen in der Vorwoche mit großer Mehrheit die Zustimmung zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan, verwies ihn in die Aus­schüsse zurück. Wie haben Sie die Ab­stimmungsniederlage verkraftet?
 

Michael Wolf: Für mich ist das keine schlimme Geschichte. Demokratie erfordert immer Überzeugungs­arbeit und Geduld. Ich empfehle weiterhin den Komplettabriss und die Neubebauung des Are­als am Markt nach dem Vorschlag unserer Städtischen Woh­nungsgesellschaft.


Das sehen etliche Altenburger offen­bar anders. Erinnert sei nur an den vom Altstadtverein 2008 initiierten spekta­kulären Demonstrationszug mit schwar­zen Fahnen und unter dem Motto „Ret­tet die Altstadt“. Der Denkmalbeirat der Stadt wirft Ihnen inzwischen Abriss­wahn vor. Was sagen Sie dazu?

 

Mit Verlaub, ich verstehe nicht, wa­rum man wider besseren Wissens so et­was behauptet. Warum, bitte schön, re­det man seine eigene Stadt so schlecht?! Seit meinem Amtsantritt 2000 haben wir über 50 Millionen Euro in die Sanie­rung der Innenstadt gesteckt. Die Städti­sche Wohnungsgesellschaft hat unter enormer Kraftanstrengung und mit gro­ßer Kompetenz Denkmäler in der Alt­stadt saniert. Ich erinnere nur an die Moritzstraße und die Teichstraße. Auslö­ser der Schwarze-Fahnen-Aktion war bekanntlich der Abriss des Konzert- und Ballhauses. Ich möchte daran erinnern, dass wir per Gerichtsentscheid gezwun­gen wurden, dem Eigentümer eine Ab­rissgenehmigung zu erteilen. Ein Kauf, die Sanierung und Betreibung des Denk­mals waren durch die Stadt nicht finan­zierbar. Diese schlimme Erfahrung hat uns veranlasst, geschichtsträchtige und städtebaulich bedeutende Häuser in Al­tenburg zu kaufen, obwohl wir es uns ei­gentlich gar nicht leisten können.

 

Was konkret gehört dazu?

 

Unter anderem das Ernestinum, das Weiße Ross, der Schwarze Bär, der Theaterplatz 6, die Pauritzer Straße 1. Die Kosten für Sicherung sowie Dach-und Fassadensanierung dieser Gebäude sowie des Josephinums, das der Stadt schon gehörte, belaufen sich voraus­sichtlich auf über fünf Millionen Euro. An Innenausbau ist dabei noch gar nicht zu denken. Mit dem Weißen Ross und dem Schwarzen Bären beginnen wir im nächsten Jahr. Besonders dringlicher Handlungsbedarf besteht beim Theaterplatz 6. Wahrscheinlich ist hier nur noch die Fassade zu retten. Gekauft haben wir das Haus, das der Privateigentümer ver­rotten ließ, aus Verantwortung für die Altstadt. Wir können uns gegenüber dem Theater einfach keine Baulücke leisten. Und man sollte nicht vergessen, dass millionenschwere Investitionen in den nächsten zwei Jahren an Objekten vonnöten sind, die uns schon immer ge­hören, wie beispielsweise Schloss, Rote Spitzen, Marstall, Zwingermauer, Mäderschule, Rittergut Oberzetzscha, Tee­haus und Orangerie. Für all das gibt es zwar Fördergelder, doch einen erheblichen Anteil der Kosten muss immer die Stadt tragen.

 

Mittlerweile gibt es vor allem mit Blick auf das Areal am Markt eine große Geg­nerschaft, sogar der ehemalige Baude­zernent Bernd Drischmann und der langjährige Stadtplaner Peter Gzik sind in der Bürgerfragestunde des Stadtrats gegen den Abriss in die Bütt gegangen.

 

Ich achte jede Meinung, aber hier fällt es mir zugegebenermaßen schwer. Denn diese beiden Herren haben in ih­rer Amtszeit das blanke Gegenteil von dem gemacht, was sie jetzt einfordern. Wenn der unter ihrer Verantwortung in den 90er-Jahren vom Stadtrat be­schlossene Bebauungsplan für das Areal am Markt umgesetzt worden wä­re, hätten wir dort jetzt Handel auf Flä­chen bis zu 3000 Quadratmetern und nicht maximal 800, wie sie der Konsum haben möchte. Wir hätten ein großes Kino, eine Spielhölle und einen zusam­menhängenden Gebäudekomplex mit sage und schreibe 130 Metern Länge bis weit in die Spiegelgasse hinein.

 

Was spricht Ihrer Meinung nach für das SWG-Projekt?

 

Das Konzept ist lange diskutiert, modi­fiziert und nachgebessert worden. Das war ein harter Kampf, doch die Wohnungsgesellschaft hat die geforderte Kleingliedrigkeit und Funktionalität hin­bekommen. Jetzt haben wir, nachdem alle anderen Vorschläge in den vergan­genen Jahren gescheitert sind, etwas Machbares, finanziell und wirtschaftlich Untersetztes. Wir müssen uns einfach eingestehen, dass wir nicht jedes alteHaus retten können. Überzogener Denkmalschutz schadet dem Denkmalschutz. Ich komme mit der Maßlosigkeit einiger Forderungen einfach nicht klar. Zumal nie gesagt wird, wer das bezahlen soll.


Nun erhitzen sich die Gemüter aber vor allem am Barockhaus Bei der Brü­derkirche 9.

 

Stadt und Wohnungsgesellschaft ha­ben die Sanierungsfähigkeit nie bestrit­ten, aber wir können Sanierung und un­rentierliche Vermietung nicht bezahlen. Man sollte sich das Haus anschauen und sich fragen, ob im 21. Jahrhundert je­mand in solche Wohnungen mit zig Durchgangszimmern ziehen will. Damit die Antwort nicht hypothetisch bleibt, habe ich mich entschieden, das Objekt in der nächsten Woche für alle Stadträte und den Denkmalbeirat zur Besichti­gung zu öffnen.

 

Warum haben Sie den Bebauungsvor­schlag von Hugk-Sellengk dem Stadtrat vorenthalten, warum sind Sie gegen ei­nen Architektenwettbewerb?

 

Erstens: Das Projekt ist Sache der SWG, ich kann mich nicht ständig in Ge­schäftsführungs-Entscheidungen einmi­schen. Die SWG hat sich als Investor und Vorhabenträger für das Architekturbüro Kottusch entschieden. Hugk-Sellengk hat keinen Auftrag erhalten und zu kei­ner Zeit einen durchfinanzierten Bebau­ungsentwurf geliefert. Zweitens: Was nützt uns ein toller Architektenentwurf, wenn sich kein Investor findet, der genü­gend Geld hat, ihn umzusetzen? Und dass solche Wettbewerbe auch nach hin­ten losgehen können, zeigt die Pauritzer Straße mit ihren verpönten Seifenkisten.

 

Wie geht es nun weiter?

Ich werde den vorhabenbezogenen Bebauungsplan zur nächsten Stadtrats­sitzung am 19. November erneut zur Abstimmung stellen. Die SWG hat den An­trag gestellt, darüber muss abgestimmt werden. Die Entscheidung liegt in den Händen des Stadtrats.

Interview: Ellen Paul

 

Quelle: Ellen Paul, Osterländer Volkszeitung (OVZ) im Bericht vom 08.11.2009

 


 


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