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Mieterzeitung BLICKPUNKT

01/2018

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19.12.2009 - Der Herr der Häuser

Bericht der Osterländer Volkszeitung (OVZ) vom 19./20. Dezember 2009

Jürgen Roll, fast 20 Jahre Chef der Städtischen Wohnungsgesellschaft Altenburg, geht in Pension

 

Und was kommt jetzt? Was machen Sie nun den lieben, langen Tag? Das wird doch bestimmt langweilig. Passen Sie ja auf, dass Sie nicht in das berühmte Loch fallen! Solche Fragen und Ratschläge hört Jürgen Roll in diesen Tagen allerorten zuhauf – und antwortet darauf mit einem Lächeln. „Jeder Tag hält etwas Neues bereit, auch wenn man nicht mehr die meiste Zeit davon auf Arbeit verbringt. Es gibt so viele interessante Dinge, auf die ich mich einfach freue.“ Er sagt das nicht zuletzt in der Überzeugung, dass 49 Arbeitsjahre für ein Menschenleben genug sein dürften. Zumal fast 20 davon in arbeitsintensiver und überaus verantwortlicher Position – als Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsgesellschaft Altenburg.

 

Dabei hätte sich der gelernte Maurer  trotz seines Ingenieur-Studiums einen solchen beruflichen Aufstieg wahrlich nicht träumen lassen. Im Gegenteil. Nach seiner Weigerung, in die Partei einzutreten, und seiner Kündigung beim Baukombinat Leipzig aufgrund von Diskrepanzen war Roll sogar mit einem Einstellungsverbot im gesamten Bezirk Leipzig belegt worden. Nur weil der Betriebsdirektor der Altenburger Gebäudewirtschaft händeringend einen neuen Leiter für den ungeliebten Bauhof suchte und Roll von jetzt auf gleich einen Arbeitsvertrag gab, ging es beruflich überhaupt weiter. Der Betriebsdirektor fing sich dafür zwar ein Parteiverfahren ein, doch den Vertrag zu zerreißen, traute sich dann selbst eine SED-Kreisleitung nicht.

 

Es war ein harter Job, denn der Bauhof war der Anlaufpunkt für die Beschwerden der Mieter – vom Rohrbruch über den tropfenden Wasserhahn bis zu undichten Fenstern. Und all das gab’s damals bekanntlich zuhauf. Doch der beim Aufbau des größten Altenburger Neubaugebietes Nord oder bei der Umsetzung des DDR-Wohnungsbauprogrammes in Berlin praxiserprobte Roll hatte damit keine Probleme. Er kam mit den Mietern ebenso gut klar wie mit seinen rund 80 Mitarbeitern. Wie schon im Baukombinat war er bei allen Kollegen schnell beliebt – weil gradlinig, kompetent und als Leiter durchaus Kumpel. Lange sollte Jürgen Roll in dem Job freilich trotzdem nicht arbeiten. Denn neun Monate nach seinem Amtsantritt fiel in Berlin die Mauer und die Gebäudewirtschaft suchte einen neuen Chef. Seine Kollegen schlugen ihn am Runden Tisch vor und der spätere Altenburger Bürgermeister Johannes Ungvàri fragte ihn, ob er es machen wolle. Ende 1990 erhielt Jürgen Roll den Zuschlag als Geschäftsführer der neu gegründeten Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG).

 

Von Stund’ an war er nicht nur verantwortlich für die Sanierung und die Unterhaltung hunderter Häuser und tausender Wohnungen, sondern musste auch jedem Mitarbeiter klar machen, dass seine Firma jetzt ein Dienstleistungsbetrieb ist. „Eine riesige Umstellung. Der Mieter war jetzt Kunde und kein Bittsteller mehr. Dort, wo früher der Mangel verwaltet wurde, gab es plötzlich Konkurrenz zwischen den Wohnungsanbietern.“

 

Endlich sollten die Wohnungen dem aktuellen Standard angepasst werden. Vor allem in den Altbauten war der Sanierungsstand ja gleich Null. Die DDR wollte die Wohnungsfrage bekanntlich allein über neue Plattenbauten lösen. So lagen beispielsweise die Abrisspläne für die Teichstraße schon in der Schublade. Die Wende konnte dies glücklicherweise verhindern. „Unser späteres Engagement gerade in dieser Straße mit der Sanierung und dem Neubau von Häusern kam daher nicht von ungefähr. Es war auch eine Verbeugung vor denen, die noch weit vor der politischen Wende hier Widerstand leisteten.“

 

Neben der Teichstraße gehören ebenso Grüntaler Weg, Moritzstraße, Terrassenstraße, Am Steinweg, Friedrich-Ebert-Straße und die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Bauhaus-Ensembles im Dichterviertel zu den SWG-Vorzeigeprojekten der Ära Roll. Auch der Erhalt der beiden großen Neubaugebiete zählt dazu, wenngleich vor allem in Altenburg-Nord viele Mieter aufgrund fehlender beruflicher Perspektiven „fahnenflüchtig“ wurden.

 

Auch Jürgen Roll selbst – allerdings aus einem anderen Grund. Der Baufachmann, der in zweiter Ehe mit einer Baufachfrau verheiratet ist, erfüllte sich 1994 den Traum vom eigenen Heim und zog ins benachbarte Gleina – zusammen mit den Schwiegereltern, weil die Kinder längst flügge waren. Denn für zwei Leute ein Haus zu bauen, hielt Jürgen Roll für pure Verschwendung. Er hat es selbstverständlich selbst entworfen und bis aufs Erdgeschoss auch selbst ausgebaut. Dass der Chef der Wohnungsgesellschaft bis dahin allerdings vier Jahre lang selbst noch in Nord wohnte, seinesgleichen unter seinen Mietern war, haben die ihm hoch angerechnet.

 

Und fast ganz zum Schluss seiner Amtszeit baute Jürgen Roll sogar noch ein neues Haus für die Firma – den Anbau an den traditionellen Firmensitz in der Altenburger Johannisstraße. Jetzt gibt es für die Kunden ein ansprechendes Entree, einen Fahrstuhl und für die Mitarbeiter bessere Arbeitsbedingungen, unter anderem mit kleinen Kaffeestuben, damit niemand mehr am Schreibtisch essen muss. „Die meiste Leistung bringt ein Mitarbeiter, wenn er gern auf Arbeit kommt“, sagt der Chef.

 

Jürgen Roll ist als loyaler, sachlicher und konsequenter Leiter bekannt. Sogar die Stadtverwaltung als alleiniger Gesellschafter bekam das zu spüren, wenn deren Wünsche wirtschaftlich für die SWG nicht vertretbar schienen. „Doch das ist zum Glück nicht oft passiert, man hat uns in unseren Entscheidungen immer viel Spielraum gelassen.“

 

Seine Achtung hat sich der Geschäftsführer auch dadurch erworben, dass er konsequent vermied, Dienstliches und Privates zu vermengen. Mit Leuten, mit denen er von Berufs wegen zu tun hat, pflegt er so gut wie keine privaten Freundschaften. „Arbeit ist Arbeit, und Schnaps ist Schnaps“, sagt Roll. Dennoch hat jeder Mitarbeiter gewusst, dass er mit Problemen – beruflichen wie privaten – immer zum Chef kommen kann.

 

Kein Wunder also, dass die rund       60 Mitarbeiter, die Roll zum gemeinsamen Abschiedsessen – auf eigene und nicht wie sonst oft üblich auf Firmenkosten – eingeladen hat, sich wort- und tränenreich sowie mit wunderbaren Geschenken von ihm verabschiedeten. Ein altes Rohr war beispielsweise darunter – eines von denen, was zu DDR-Zeiten so oft kaputtging und von Rolls Bauhofteam geflickt werden musste. Oder von seinem Nachfolger Michael Rüger das Lenkrad eines alten Opel Vectra, des ersten Nachwende-Dienstwagens. Und – worüber sich der Liebhaber von Oldtimern besonders freute – ein Wochenende mit einem alten Jaguar-Cabriolet.

 

Womit also schon der Grundstein dafür gelegt ist, dass ab dem 1. Januar 2010 im Hause Roll keine Langeweile aufkommt. Man kann endlich dem geliebten Wandern und Radfahren frönen. Mit dem Drahtesel haben Dorothea und Jürgen Roll schon so manches schöne Eckchen im Altenburger Land oder in Deutschland näher erkundet und dabei viele interessante Leute kennengelernt. „Meine Frau und ich freuen uns sehr, dass wir jetzt viel mehr Zeit füreinander haben. Sie hat  mir in all den Jahren immer den Rücken freigehalten und mir auch über schwierige Zeiten geholfen.“

 

Jetzt freut sich der passionierte Langläufer und Alpinist aber erst einmal über den Ski-Urlaub zum Jahreswechsel. Es ist seit Langem das erste Mal, dass Jürgen Roll seinen Geburtstag am 31. Dezember nicht mit Freunden auf einer Silvesterparty feiert. Ausgerechnet zum 65. hat sein Stammlokal diesmal geschlossen. Doch Jürgen Roll nimmt’s gelassen. Nach dem Trubel seiner Verabschiedung in diesem Monat tue ihm die Ruhe ganz gewiss gut, sagt er.  

 

Quelle: Ellen Paul, Osterländer Volkszeitung (OVZ) vom 19./20. Dezember 2009


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